Mittwoch, 18. Juni 2014

Subtle Beauty.




In den Reiseführern wird der Karijini Nationalpark mit den Worten „subtile Schönheit“ beschrieben. Das ist gelogen. Die Schönheit dieser 6204 Quadratkilometer steht eher auf und schlägt dir ins Gesicht sodass du fast vergisst zu atmen oder die Augen beim Fahren auf die Straße zu richten. Und die sollte man insbesondere hier aufmerksam auf die rotbraune Schotterpiste richten, denn die Zufahrtsstraßen zu diesem hübschen Baby sind – nett gesagt – ziemlich beschissen, sodass man für 25 Kilometer gerne mal über eine Stunde braucht und danach erstmal ein halbes Glas Nutella zur Beruhigung der Nerven. Die werden nämlich schon arg strapaziert wenn man hier keinen 4WD (einen fetten Landcruiser mit Allradantrieb) hat und ohne Ersatzreifen unterwegs ist. Vom nicht vorhandenen Handyempfang will ich gar nicht erst anfangen zu reden. Aber die gute Lola hat sowohl den Hin- als auch den Rückweg anstandslos gemeistert und meinen Nerven geht’s auch wieder ganz gut. Sogar 300 Dollar-Hesky hat die Fahrt überstanden und auch Robin und Dörte sind wohlauf. (Ja, hier bekommt jedes Auto einen Namen  – Backpackertradition).


Wie auch immer, sobald wir durch die erste Schlucht – die Weano Gorge - stiefelten war die Anreise vergessen. Erstrecht als wir uns danach in die Hancock Gorge aufmachten und durch den ersten Bach waten und den Spider-Walk bewältigen mussten um zu Kermit’s Pool zu gelangen. Der sieht so aus dass man sich mit Händen und Füßen in einer ca. 1,50m breiten (oder eher engen) Felsspalte einklemmt und immer abwechselnd eine Hand und einen Fuß nach vorne schiebt (und dabei eben wie eine Spinne aussieht). Das klingt übrigens schwieriger als es ist (- wenn auch nicht bei jedem Menschen) aber ist die Anstrengung allemal wert, denn Kermit’s Pool ist ein super Badeplatz. Oder eher ein supercooler Ort um ins Wasser zu springen und dann ganz schnell wieder rauszuklettern weil es so saukalt ist. 

 
 
 

Jedenfalls hatten wir viel Spaß und trotz mäßiger Trödelei noch genug Zeit um danach noch den Weg zum Handrail Pool zu bestreiten, der zum Reinspringen leider nicht so toll geeignet war (weil nicht tief genug und angeblich von einem Krokodil und einer Riesenpython bevölkert  - jaja Jonny, we know you nearly died in there :P ), aber ziemlich schön anzusehen. Der Weg dahin war auch recht abenteuerlich, aber vielleicht auch nur weil wir dem Rat eines anderen Wanderers gefolgt sind der meinte, man bräuchte keine Schuhe. Naja, vielleicht nicht während dem durch den Fluss Waten, aber bei den Kletterabschnitten zwischendurch wären die schon ganz nützlich gewesen (nasse nackte Füße sind doch eher eine rutschige Angelegenheit). Bevor ich mir da in meiner Tollpatschigkeit noch irgendwas gebrochen hätte (laut Infotafel dauert die Bergung aus dem Park mindestens 13,5 Stunden…) bin ich lieber gleich durch die Rockpools geschwommen statt um sie herumzuklettern – macht auch mehr Spaß und man fühlt sich ein bisschen wie ein Pirat wenn man sich seine Klamotten um den Kopf binden muss damit sie nicht nass werden. Arrr!


Leider habe ich (bis auf das erste und letzte in diesem Eintrag) kein einziges Bild selbst geschossen da wir alle – bis auf Emily mit ihrer coolen unterstörbaren Chuck Norris-mäßigen Unterwasserkamera - unsere elektronischen Geräte im Auto gelassen haben (Klettern, Schwimmen, Tollpatschigkeit und so – ihr wisst schon). Aber ich hoffe einfach mal dass es okay ist dass ich hier ganz fies ihre Bilder missbrauche um meinen Blog interessanter zu machen. Nur lesen wär ja auch langweilig für euch, oder?


Am zweiten Tag mussten wir nach unserer Übernachtung auf dem Dales Campground glücklicherweise keine fiesen langen Dirt Roads mehr fahren (nur sehr kurze und sehr humane) und konnten die Erkundung der Dales Gorge ganz entspannt starten. Zuerst machten wir uns zum Circular Pool auf, der enttäuschenderweise nichtmal annähernd circular war, aber immerhin trotzdem ziemlich hübsch. Noch hübscher war allerdings der Weg in der Schlucht und die beiden Pools am anderen Ende bei den Fortescue Falls. Im Fern Pool gabs dann auch endlich eine ausgiebige Badesession, inklusive Sprung von einem Wasserfall (der von unten bedeutend niedriger aussah als von oben… Ich alter Höhenangstschisser).



"Emily, can you make a picture of me looking like a giant?"



Einziges Manko an diesem perfekten Tag war dann nur die verkürzte Trockenzeit an den Fortescue Falls – es wird in einer Schlucht doch recht früh schattig, hmpf. Aber im Karijini Nationalpark hat man auch mit einer nassen Bikinihose Spaß beim Wandern. Und beim Autofahren (und Fotos schießen und vom Roadwork-Truck hinter einem angehupt werden….)


Sonntag, 15. Juni 2014

Ein 300 Dollar Auto, Penispastageschichten und Schneewittchens böse Stiefmutter



Skyline von Perth

 Unsere Reisegruppe ist gewachsen. Ich habe nicht nur auf Gumtree einen sehr sympathischen Travelmate gefunden (Emily aus Frankreich - und ja Mama, ich übe jetzt ganz viel Vokabeln und lerne beim Fahren nebenbei mal fließend Französisch, das ist ganz easy und ich kann ja noch total viel von der Schule, ist ja erst 7 Jahre her und die 3 im Zeugnis sagt gar nichts über meine eigentlichen Kenntnisse aus), nein anscheinend sind wir auch so cool (oder Perth nach einem halben Jahr so langweilig) dass wir am Abend vor unserer geplanten Abreise noch drei Engländer überreden überzeugen konnten dass es eine ganz großartige Idee wäre, den abgeranzten Ford Falcon unseres tschechischen Dormmates zu kaufen. 300 Dollar seien schließlich ein Spottpreis (der Arme flog am nächsten Tag nach Hause und hätte das Auto ohne einen Käufer sonst verschrotten müssen) und überhaupt gäbe es ja nichts Besseres als einen Roadtrip mit uns. 

Überraschenderweise (selbst für uns klang das ja ein bisschen nach Schnapsidee) haben die drei die Karre dann am nächsten Tag dann wirklich gekauft - inklusive Unterschriftenfälschung auf dem Übergabe-/Anmeldeschein (einer der Jungs hat keinen Führerschein, der andere hat sein vorheriges Auto ohne Nummernschilder aktiv (und inoffiziell) in einer Seitenstraße Perths verschrottet – da blieb nur noch einer als offizieller Besitzer und der musste leider den ganzen Tag arbeiten). Aber wir sind ja in Australien, da ist das alles easy-going (und so schlecht sah die Unterschrift auch gar nicht aus, das merkt bestimmt niemand).

Leider war der vorherige Besitzer ein bisschen eklig und hat ein bisschen gemüffelt und anscheinend nie gelüftet (zumindest nie mit wiederhochgeklappten Rücksitzen) was uns eine zwar spaßige aber geruchlich eher unangenehme erste Fahrt zu Coles und Domino’s Pizza bescherte. Und einen nassen Arsch. Gut dass ich genau am Vortag Laundry Day hatte. Hmpf. Nichtsdestotrotz fuhr das Ding. Naja, zumindest am Anfang. Als die Jungs zwei Tage später nachkommen wollten (wir waren schon früher aufgebrochen – Hostels ziehen einem einfach zu viel Geld aus der Tasche und wer braucht schon mehr als ein Plumpsklo auf einer Rest Area ?) blieb der gute Hesky schon drei Kilometer nach dem Hostel liegen und verlangte nach einer neuen Radiator-Kappe. Hat er dann am nächsten Tag auch gekriegt sodass die Jungs uns kurz vorm Kalbarri Nationalpark noch einholten. Ich würde jetzt auch gerne beschreiben wie gut organisiert und perfekt geeignet die drei fürs Campen sind und wie well equipped sie mit Camping Ausrüstung sind, aber das wäre eine Lüge. Allerdings ist es auch schwer den Entertainment-Faktor in Worte zu fassen als sie das erste Mal ihr Zelt aufbauten (mit Gabeln als Heringen). Aber manche Dinge muss man eben einfach gesehen (und den Cockney Slang gehört) haben. Insgesamt kann man aber sagen dass wir sehr viel Spaß zusammen haben und sehr viel lachen (natürlich nie über jemanden, sowas würden wir nie tun. Wir machen auch keine Witze mehr über Emilys Penispastagschichte, schließlich war das nur Pasta in Form von Penissen und wir sind schließlich keine 12 mehr und lachen über sowas. Wir posieren auch nicht eindeutig zweideutig mit den Pinnacles und malen uns auch nicht derlei kindische Dinge auf die dreckigen Autoscheiben, nur dass das mal klargestellt ist.)


Apropos Dreck: hier ist alles dreckig. Nicht nur die Autos von den Dirt Roads (deren Befahrung meinem Autoliebhaberherz wirklich schwer zusetzt, arme Lola – aber sie hat sich bisher sehr gut geschlagen!), sondern auch wir. Komplett, von oben bis unten. Füße, Hände, Gesicht – nichts davon bleibt länger als 5 Sekunden sauber und ich glaube mittlerweile auch dass normale Seife den Dreck gar nicht mehr abkriegt, jedenfalls ist das Handtuch nach dem Abtrocknen (ja, manchmal gönnen wir uns auch ganz luxuriös kalte Duschen in öffentlichen Toiletten) irgendwie auch braun. Hmh. Ein Rätsel. Aber man gewöhnt sich an alles – ist bestimmt sogar gut für die Haut, quasi eine Wellness-Heilerde-Schlammpackung für umsonst.
Die Straße zu Nature’s Window im Kalbarri Nationalpark war auch eher grenzwertig (und lang). Über 20 Kilometer Hubbel und Staub – one way! Und danach auch noch Wind am Frühstücks-Picknicktisch, eine umgwehte Kaffeekanne und aus der Schüssel gewehtes Müsli. Aber die Loop Trail Wanderung entschädigte uns für alles, auch wenn sie gegen Ende ein bisschen anstrengend wurde (bei (gefühlten) 30 Grad durch Sand laufen macht nicht so viel Spaß). But we did it! Zur Belohnung gabs dann noch eine kalte (wirklich kalte) Stranddusche, Klippen und Wale (naja, einen zumindest). Alles in allem also ein großartiger Tag. 



Zwei Tage später wurde es dann noch ein bisschen großartiger: Delfine! Die kommen in Monkey Mia jeden morgen an den Strand, werden mit ein bisschen Fisch gefüttert und lassen sich fotografieren. Da fällt einem dann auch nichts mehr ein außer breit Grinsen und tausend Fotos schießen.


Dasselbe passiert auch wenn man das erste mal in Coral Bay Schnorcheln geht, mit der Ausnahme dass man nicht Grinsen kann weil man einen Schnorchel in der Fresse hat und auch das Fotografieren eher schwierig ist. Es sei denn man heißt Emily und hat eine Unterwasserkamera. (Ich such mir einfach immer die besten Reisepartner):
Die Unterwasserkamera war auch im Cape Range Nationalpark nützlich als wir am Turquoise Bay Schnorcheln waren wo die Korallen sogar noch ein bisschen spektakulärer (weil noch am Leben) und die Fische noch ein bisschen bunter waren:

Coral Bay

Turquoise Bay

Aber der Nationalpark bei Exmouth hat nicht nur geile Sandstrände mit Korallen, tausende Kängurus (die in der Dämmerung gerne mal blöd auf der Straße rumstehen) sondern auch ziemlich beeindruckende Schluchten. Wir durchwanderten die Mandu Mandu Gorge (und sahen sogar ein paar Black Tailed Rock Wallabies) und die (tausend mal schönere) Yardie Gorge:

 
Und den Sonnenuntergang haben wir auch gesehen, inklusive Vollmondaufgang – und das sogar an einem Freitag dem 13. Und trotzdem sind wir von einem Werwolf (oder Werdingo) Überfall verschont geblieben. Talk about Luck here. 




Nicht so viel Glück hatten wir allerdings mit der Dame auf dem Campingplatz auf dem wir einen Tag vorher übernachtet hatten weil wir keinen Platz mehr im Nationalpark bekommen hatten. Die hasste uns schon bevor sie mit uns geredet hatte, gab uns den schlechtesten Platz auf dem ganzen Campground und wollte am nächsten Tag, als wir nach dem Sonnenaufgang gucken bei ihr tankten, 10 Dollar (pro Person) für eine Dusche von uns, obwohl wir sehr freundlich nachfragten und insgesamt fast 200 Dollar für Sprit bei ihr ließen. Es sei schließlich schon sehr spät (18 Uhr…), wir hätten den ganzen Tag nur gespielt und sollten lieber mal unser Leben auf die Reihe kriegen. Um diese Zeit dusche man schließlich nicht (ähm, wann denn dann – mitten am Tag?). Und überhaupt sei sie froh dass sie nicht unsere Mutter wäre, die tue ihr nämlich wirklich leid. Ähm, hallo? Danach hätte ich gerne wieder das Benzin aus meinem Tank gepumpt und ihr zurückgegeben. Wie kann man denn so mit Menschen umgehen? Mal ganz abgesehen dass wir am Tag davor die unkompliziertesten, nettesten Camper überhaupt waren und um Punkt 9:59 Uhr die Camp Kitchen verlassen haben und ins Bett gegangen sind. Wir waren nicht laut, wir haben die Nachtruhe eingehalten und nichts auch nur ansatzweise kaputt oder dreckig gemacht. Sie hat mit uns mindestens 400 Dollar Umsatz gemacht und generell basiert ihr Job auf Menschen die Urlaub machen, also „Play all day“ haben. Blöde Kuh. Dann duschen wir halt nicht und sie verdient nichts, kann uns auch egal sein – schließlich waren wir mittags Schnorcheln, das ist ja auch ein bisschen wie duschen….


Sonntag, 8. Juni 2014

Vielen Dank, für die Blumen...



…vielen Dank, wie lieb von dir.
Na, wer hat die richtige Melodie zum Comic im Kopf? Richtig. Das ist die Titelmusik von Tom und Jerry oder wahlweise auch von meinem Leben. Erinnert ihr euch noch an meine Nacht auf der einsamen Restarea? Mit den komischen Geräuschen? Ja, das war eine Maus. Habe ich jedenfalls eine Woche später herausgefunden, beziehungsweise vermutet. Indizien: erneute komische Geräusche und eine angefressene Packung Toastbrot. Na super. Aber immerhin besser als irgendwas mit mehr als vier Beinen. Und einfacher zu fangen. Dachte ich jedenfalls.

Der ganze Spaß fing am ersten Morgen nach dem Verlassen von Adelaide an. Blöderweise kamen wir erst am übernächsten Tag in eine Stadt mit einem etwas größeren Supermarkt und dort gab es dann leider keine Lebendfallen. Blöd für die Maus und mein Öko-Hippieherz, aber nachdem das gute Ding sich auch an meinem Rosinentoast vergriffen hatte waren die Fronten eh schon etwas verhärtet. 

Also stellte ich an diesem Abend frohen Mutes die Falle, mit dem ultimativen Köder: einem leckeren Stück Homebrand Tasty Käse (mhm, lecker…). Nachdem ich mir dabei ungefähr 4 mal den Finger eingeklemmt habe (diese Mausefallen sind sehr fragil… Und tun schon ziemlich weh) war ich mir auch sehr sicher, dass diese Nacht für die arme Maus wohl die letzte gewesen sein wird. Mitleidig und mit schlechtem Gewissen (ich fieser Mäusekiller…) schlief ich also ein…


 …und fand am nächsten Morgen die Falle unversehrt vor. Ohne Käse. Mist. 1:0 für die Maus also.
Dasselbe Spiel wiederholte sich dann abends noch einmal, diesmal mit lecker Brot als Köder und nur einmal Fingereinklemmen. Das konnte doch nur ein gutes Zeichen sein.  Jaja. Am nächsten Morgen stand es 2:0 für die Maus und ich war doch etwas beeindruckt. Schlaues kleines Ding. Ich taufte sie auf den Namen Jerry und benutzte meine Nachdenkzeit während der Fahrt für die Konstruktion einer ausgeklügelten, improvisierten, selbstgebauten, unaustricksbaren Lebendfalle (das hatte sie sich mittlerweile ja auch echt verdient). 

Die Konstruktion stellte sich dann auch als umsetzbar heraus und ich fühlte mich wie Tim Tailor, der Heimwerkerkönig (an dieser Stelle ein männliches Grunzen einfügen)…


 …bis ich die Falle noch in derselben Nacht leergeräumt vorfand – ohne Maus natürlich. Kacke. 3:0 für die Maus. Oh man. Das war ja jetzt fast schon peinlich. Und unnötig. Und auch ziemlich belastend. Die spontane abendliche Jagd (anscheinend wurde sie von Jonas beim Aufräumen der Küchenutensilien gesehen) mit entschlossener Ausräumaktion des ganzen Vans (diese Maus sollte endlich lernen, wer hier am oberen Ende der Nahrungskette steht!) war dann natürlich auch erfolglos. Und die Falle aß sie natürlich auch wieder leer ohne gefangen zu werden. War ja klar. 4:0 für die Maus. Mittlerweile glaubte ich auch nicht mehr so wirklich an einen Sieg und überlegte ernsthaft, ob ich nicht einfach ein bisschen Spritgeld von ihr verlangen und sie zu meinem neuen Travelmate machen sollte. Aber nein, ich gab nicht auf. In dem Kampf Mann gegen Maus (oder eher Frau gegen Maus) sollte sie nicht siegen. Allein schon deswegen weil sie sich mittlerweile auch an meiner Schokolade vergangen hatte und da hört der Spaß ja nun wirklich auf.

In Esperance kaufte ich also eine Lebendfalle in einem Fachgeschäft (der Heimwerkerkönig in mir verlor dabei gleich mal seine dicken Eier) und war mir sicher, dass ich an einem Tag mit so viel Glück (ihr erinnert euch: Lucky Bay und Kängurus) auf jeden Fall erfolgreich sein würde. War ich aber nicht. Dafür aber die gute Maus. Es stand mittlerweile 5:0 und ich war mit den Nerven am Ende, glaubte aber, den Fehler gefunden zu haben (wir standen zu schräg und die Falle konnte nicht richtig kippen) und versuchte mein Glück in der Nacht darauf nochmal… Erfolglos. Argh. Dass konnte doch nicht wahr sein! Verzweifelt und im Geiste den Tränen nahe konnte ich langsam verstehen, wie Tom sich immer fühlen musste wenn er von Jerry ausgetrickst wurde. Armer Kater…

Doch am siebten Tage triumphierte die Menschheit über das Tier! Ich fühlte mich wie Gott und das Triumphgefühl ließ den ganzen Tag nicht nach (ich gewann abends sogar Asshole und war das erste mal seit unserem Reisebeginn President!). Beim Freilassen stellte ich dann auch überrascht fest dass meine Maus nicht nur die schlauste, sondern auch die schnellste Maus von ganz Australien war. Jerry Speedy Gonzalez hatte wahrscheinlich eine Nacht in Todesangst verbracht und schoss so schnell davon als sich endlich die Möglichkeit bot, dass er auf den Bildern nur ein graubrauner Schatten ist (und das im Sportmodus! Da hab ich mich kurz ganz untriumphal erschrocken). Er war wirklich ein würdiger Gegner muss ich sagen, aber er hat meine Nerven doch ganz schön strapaziert und ich bin wirklich froh, dass mein Van nun endlich mäusefrei ist und hoffentlich auch bleibt. (Wenn ich nochmal so eine vollgekackte Falle saubermachen muss kotze ich nämlich. Mäusedreck stinkt wie Hölle!)



 
So, ich hoffe ihr hattet euren Spaß bei dieser Geschichte. Ich bin wahrscheinlich gerade irgendwo zwischen Perth und Darwin unterwegs, ohne Empfang und fernab der Zivilisation, aber ich kümmere mich natürlich auch dann um meine geneigte prokrastinierende Leserschaft und habe diesen Eintrag ganz smart in Perth vorgepostet ;)

Sonntag, 1. Juni 2014

1976 Kilometer Nichts






Genau so viel gibt es auf dem Weg von Adelaide in South Australia nach Norseman, dem Tor zur Zivilisation in Western Australia (mit Duschen an der Tanke, yeah!) zu sehen. Na gut, die Bunda Cliffs sind schon sehr beeindruckend und die Nullarbor Plain ist  auf eine langweilige Art und Weise doch irgendwie spektakulär (hier befindet sich die längste gerade Straße Australiens, sozusagen 146 Kilometer pure Spannung!), aber insgesamt ist da eigentlich nur Straße und Wüste und ca. 24 Stunden reine Fahrtzeit wenn man – so wie wir – mit backpackermäßigen 80 Km/h unterwegs ist. Man muss ja Sprit sparen, vor allem bei den Preisen hier Mitten im Nirgendwo:



5 Tage lang bestand unser (meine 4 werten Reisebegleiter habe ich in Adelaide kennengelernt) Tagesprogramm aus Frühstück, Autofahren, Tanken, Autofahren, Schlafplatz suchen, Nudeln mit Tomatensoße, Thunfisch und Mais kochen und Kartenspielen. Ich habe also im Auto sehr viel Zeit mit Nachdenken und Nichtstun verbracht, drei neue Kartenspiele gelernt (Shithead, Asshole und Schwimmen) und alle drei auch in schöner Regelmäßigkeit verloren (ich bin halt einfach kein Taktiker…) und trotz unspektakulärem Tagesablauf sehr viel Spaß mit meiner Roadtripgang (1 Kanadier und 3 Deutsche) gehabt.

 

Und obwohl die Drogenkonrolle (die hatten nichtmal Hunde, dafür aber ein Campfeuer in einer Pennertonne – not kidding!) und die Quarantändekontrolle  an der westaustralischen Grenze superunterhaltsam waren (Der Quarantänebeamte mit dem Popel im Gesicht wollte doch tatsächlich mein Bier beschlagnahmen. So ein Spaßvogel) waren wir glaube ich trotzdem alle ganz froh als wir endlich Esperance erreicht hatten und uns trotz Regen frohen Mutes zum Cape Le Grand Nationalpark aufmachten um „die schönsten Strände Australiens“ zu sehen. Hurra, endlich was anderes als Wüste!

Der Wettergott meinte es dann auch wirklich gut mit uns und bescherte uns Sonnenschein und Regenbögen. Und Kängurus! Obwohl, das war vielleicht der Kängurugott (oder der Tourifotogott). Aber wie auch immer:
Nachdem wir also sehr viel Luck an der Lucky Bay hatten (haha, superkreatives Wortspiel) gings weiter an die Hellfire Bay, die mindestens genauso schön ist (wenn auch ohne Regenbögen und ohne Kängurus):

 

Die nächsten Tage bestanden dann aus nicht mehr ganz so viel Fahren, dafür aber ganz viele Strände und Nationalparks angucken, von denen einer schöner ist als der andere. (Hier käme jetzt eine neiderregende Fotoflut, die ich euch erspare). Am liebsten mochte ich Fitzgerald River, aber die Brandung im Torndirrup ist auch nicht zu verachten und der Porongurup National Park wäre bestimmt auch supergeil, wenn man die richtige Tageszeit oder zumindest das richtige Wetter erwischt. Wir kamen leider bei Wolken eine Stunde vor Sonnenuntergang an. Naja, konnte man nix machen. Todesmutig und entschlossen sind Kevin (der Kanadier) und ich trotzdem im Eilmarsch die 2,2 Kilometer zum Gipfel des Castle Rock hochgestiefelt. Das war schon etwas anstrengend und etwas blöd war auch der Regen, der nach ein paar hundert Metern eingesetzt hat und noch viel blöder war, dass meine Brille dadurch ständig beschlagen war (jaja, Sehbehinderungen sind nicht witzig). Aber wir haben es geschafft und wurden mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Nicht. Es war neblig und fast dunkel, aber wir fanden uns und Castle Rock trotzdem sehr geil weil wir so schnell waren und dem Wetter so tapfer getrotzt haben. Ist ja auch was. Und Kletteraction gab es da oben auch noch, mit Eisenstiegen im Felsen, die superschön kalt waren, und ganz viel Wind. Perfektes Bergsteigerwetter also.
Der „Abstieg“ war dann auch eher ein Wettlauf gegen die Dunkelheit (und den Regen), aber wir hatten ja – wie vom Ranger empfohlen – unsere Handys mit Taschenlampen dabei. Und Vorfreude auf die Nudeln, die auf uns warten würden. Also alles ganz easy. Nass und glücklich (und frierend) kamen wir dann auch sicher wieder unten an, aßen lecker lauwarme, wiederaufgewärmte Nudeln und prahlten mit unseren nicht existenten Panoramabildern.




Mittlerweile sind wir in Perth angekommen, haben schöne Trinkspiele gespielt, Geburtstag gefeiert, Geburtstagskuchen gebacken und gegessen, einen fiesen Hangovertag gehabt und heute sogar endlich gutes Wetter. Perfekt, um die Stadt zu erkunden. Yay, endlich ein bisschen Sightseeing! Bisher habe ich hier nämlich leider nur eine Tankstelle, einen Supermarkt, einen Autoteileladen (was auch sonst), einen Club, dessen Namen ich nicht mehr weiß, und ein Krankenhaus gesehen. Aber das ist eine andere Geschichte und keine Angst – ich war nur der fürsorgliche Fahrer und nicht der Patient ;) Schließlich kann ich, seit ich keinen Goon mehr trinke, mit Alkohol wunderbar umgehen und stoße mir beim Kotzen auf der Toilette nicht dreimal den Kopf am Klopapierrollenhalter :P (Alkohol generiert einfach immer die besten Geschichten).